Mädchen aus Goražde bauen Vorurteile über Männer- und Frauenberufe ab

Die Berufsschule “Džemal Bijedić” Goražde ist die Einzige in Bosnien und Herzegowina, die den Beruf des Kunststoffverarbeiters anbietet, und die 10 Mädchen, die sich in diesem Jahr für diese Richtung eingeschrieben haben, bauen alle Vorurteile in Bezug darauf, dass es sich hier um einen männlichen Beruf handelt, ab.

Die Berufsschule “Džemal Bijedić” Goražde hat eine neue Generation von Schülern der Kunststoffverarbeitung eingeschrieben. Die Klasse besteht aus 19 Schülern/Schülerinnen, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem vorigen Jahr darstellt, als es 15 Schüler waren.

Obwohl in unserer Gesellschaft Vorurteile bestehen, dass handwerkliche Berufe für Jungen sind, haben die 10 Mädchen, die sich für diese Fachrichtung ausbilden, zumindest in dieser Stadt an der Drina vollkommen das Gegenteil bewiesen.

Eines der Mädchen, das sich auf den ersten Blick in diese Richtung verliebt hat, ist Medina Adilović, die durch die Medien von der Schule und dieser Fachrichtung erfahren hat:

“Ich fand es sofort interessant und entschloss mich dazu, mich einzuschreiben. Ich hörte, dass Schüler der vorherigen Generation nach dem Abschluss eingestellt wurden. Das war eines meiner wichtigsten Motive”, sagte sie und fügte hinzu, dass sie andere Schulen nicht in Betracht gezogen hatte, da dies ihre erste Wahl war.

In alledem erhielt sie die Unterstützung ihrer Eltern und Freunde.

“Meine Eltern waren von Anfang an damit einverstanden. Sie rieten mir, mich zu bemühen und fleißig in der Schule und während der Ausbildung zu sein, um so viel wie möglich zu lernen. Obwohl meine Freunde nicht wirklich wussten, was die Arbeit eines Kunststoffverarbeiters umfasst, haben sie meine Entscheidung maximal unterstützt“, sagte sie und fügte hinzu, dass sie verschiedene Kommentare darüber gehört hat, dass dies ausschließlich eine Fachrichtung für Jungen sei.


In Zukunft plant sie, in Bosnien und Herzegowina zu bleiben und sich in ihrem Beruf weiterzubilden. Die Wahl dieses Berufs stellt für sie die richtige und ehrliche Entscheidung dar.

“Ich würde allen Mädchen empfehlen, sich nach der Schule zu erkundigen und dann zu entscheiden, ob das etwas ist, womit sie sich beschäftigen möchten. Es ist sehr wichtig zu wissen, dass dies wirklich eine vielversprechende Richtung ist, wenn wir über unsere Stadt und unser Land sprechen”, sagte sie.

Der Direktor der Berufsschule “Džemal Bijedić”, Sedin Hadžimusić, sagte, dass die Schule mit den Einschreibungen im Schuljahr 2020/21 sehr zufrieden sei.

“Was Kunststoffverarbeiter betrifft, werden wir eine interessante Klasse haben, in der das duale Bildungssystem zum Vorschein kommen wird. Wir hoffen, dass wir den praktischen Unterricht auch weiterhin in Unternehmen aus unserem Kanton durchgeführen werden, und die GIZ hat uns auch in der Realisierung des praktischen Unterrichts große Hilfe geleistet, indem sie die Schule durch die Lieferung einer modernen Kunststoffspritzgießmaschine unterstützt hat. Die Schule verfügt über professionelles und junges Personal, das in der Arbeit mit modernen Technologien geschult ist, sodass die Schüler dieses Berufs eine der modernsten Werkstätten haben”, sagte Hadžimusić.

Prevent Components d.o.o. Goražde und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH setzen in Zusammenarbeit mit der Hastor Stiftung das Projekt “IDEAL – Verbesserung und Entwicklung des Bildungssystems für KunststoffverarbeiterInnen in Bosnien und Herzegowina” um.

Das Projekt unterstützt die Entwicklung beruflicher Standards für den Beruf des „Verarbeiters“/der „Verarbeiterin“ bzw. des „Glasplastikers“/der „Glasplastikerin“. Der Lehrplan für diesen Beruf, der als solcher der Modernste in Bosnien und Herzegowina ist, wird seit dem Schuljahr 2019/20 angewendet. Der Lehrplan wurde vom Ministerium für Bildung, Jugend, Wissenschaft, Kultur und Sport des Kantons Bosnisches Podrinje in Goražde genehmigt.