Der heutige Arbeitsmarkt ist äußerst wettbewerbsintensiv und erfordert bestimmte Kenntnisse und Fähigkeiten, unabhängig davon, ob es sich um die erste Anstellung handelt. Theoretisches Wissen ist notwendig und von unschätzbarem Wert, doch praktisches Wissen ist der Schlüssel zum Erfolg, der den Eintritt in die Berufswelt schneller und effizienter ermöglicht. Die Hastor-Stiftung erkennt dies und setzt sich dafür ein, Stipendiaten Chancen zu bieten, die sie auf den Berufseinstieg vorbereiten. Ein Ergebnis dieses Bestrebens ist die Einführung des Mentorenprogramms „Erster Schritt in die Berufswelt“, das Stipendiaten auf reale berufliche Herausforderungen vorbereitet, Mentoring ermöglicht und ein starkes Netzwerk schafft.
Wir haben mit einer der Mentorinnen, Dr. Aida Gavranović, der Leiterin der Notfallaufnahme im ASA-Krankenhaus, über die Ergebnisse und die Bedeutung des ersten Programmzyklus gesprochen.
Sehr geehrte Frau Dr. Gavranović, welche Eindrücke können Sie uns über das Mentorenprogramm „Erster Schritt in die Berufswelt“ vermitteln?
Das Mentorenprogramm „Erster Schritt in die Berufswelt“ ist eine fantastische Möglichkeit für junge Kollegen, Einblicke in das Arbeitsumfeld und die Herausforderungen zu gewinnen, mit denen sie in Zukunft konfrontiert sein werden. Während des gesamten Programms gibt der Mentor seine Erfahrungen weiter, weist auf mögliche Schwierigkeiten hin und zeigt dem Mentee Wege zu deren Lösung auf. Der wichtigste Aspekt dieses Programms ist, dass es jungen Kollegen mit theoretischem Wissen hilft, auch praktische Kenntnisse zu erwerben.
Wie viel praktisches Wissen haben Studierende tatsächlich nach ihrem Studium?
Während ihres Studiums erwerben die Studierenden nicht nur theoretisches, sondern auch eine gewisse Form von praktischem Wissen. Nach dem Abschluss betreten sie jedoch ein neues Feld der Praxis und Arbeit, das sich oft stark von dem unterscheidet, was sie an der Universität erlebt haben. Das erworbene theoretische Wissen muss in die Praxis umgesetzt werden. Dann lernen sie weiter, aber gezielter – sie lernen für sich selbst. Für Ärzte dauert der Lernprozess tatsächlich ein Leben lang.
Können Sie Ihre Studienzeit mit der heutigen vergleichen? Gibt es mittlerweile mehr praktische Möglichkeiten für Studierende?
Während des Studiums sollte es mehr praktische Arbeit geben. Ich denke, alle Kollegen erinnern sich an ihre Anfänge und die Herausforderungen in dieser Zeit. Sowohl frühere als auch heutige Generationen verlassen die Universität mit begrenztem praktischem Wissen und Fähigkeiten, insbesondere diejenigen, die während der Pandemie studiert haben. Verschiedene Programme und Projekte helfen jungen Kollegen sicherlich, mehr praktische Erfahrung zu sammeln. Sehr wichtig ist aber auch die Eigenmotivation der Studierenden.
Welches Vorwissen, welche Fähigkeiten oder Kompetenzen waren Ihnen besonders wichtig, damit eine Studentin am Mentorenprogramm teilnehmen konnte?
Solides theoretisches Wissen ist auf jeden Fall wichtig, aber vor allem der Wille und die Bereitschaft zu lernen, zu diskutieren, Neues kennenzulernen und es anzunehmen.
Das Notfallzentrum ist ein herausforderndes Arbeitsumfeld. Wie hat sich die Teilnehmerin des Programms in der Praxis bewährt?
Dr. Nejra Hindija, mit der ich während des Mentorenprogramms das Privileg hatte zu arbeiten, ist eine wunderbare junge Kollegin, die bereits als Ärztin tätig ist. Durch theoretische und praktische Einblicke in die Notfallmedizin sowie durch reale Fallbeispiele konnte sie ihr Wissen und ihre Denkweise bereichern. Während des Programms haben wir uns auch mit anderen wichtigen Themen befasst, darunter effektive Kommunikation und gesetzliche Vorschriften im medizinischen Bereich.
Wie bewältigen Sie stressige Situationen, und wie motivieren Sie Ihr Team in Zeiten hoher Belastung?
Die Arbeit in diesem medizinischen Bereich ist mit viel Stress verbunden. Ständiges Lernen und Training für Notfallsituationen sind entscheidend, damit jedes Teammitglied sich gut auf anspruchsvolle Situationen vorbereiten kann. Es ist auch von großer Bedeutung, sein Team gut zu kennen und ihre Reaktionen vorherzusehen. Kommunikation ist essenziell – nicht nur innerhalb des Teams und mit Kollegen, sondern auch mit Patienten und deren Angehörigen. Den Umgang mit Stress muss man täglich trainieren, damit man selbst den Stress kontrolliert und nicht umgekehrt.
Haben Sie einen Rat für Medizinstudierende?
Jungen Kollegen würde ich raten, ihren zukünftigen Beruf mit großer Liebe und Gewissenhaftigkeit auszuüben, empathisch und sensibel gegenüber den Patienten zu sein, denn wir haben die Patienten gewählt, nicht sie uns. Sie sollten nie aus den Augen verlieren, dass jeder Mensch eine individuelle Persönlichkeit hat und jeder Patient individuell behandelt werden muss. Es ist wichtig, immer wieder zu den Grundlagen zurückzukehren und sich nicht zu schämen, wenn man etwas nicht weiß – alles kann gelernt werden. Außerdem sollten sie lernen, Lob anzunehmen, aber auch Kritik als wohlmeinendes Feedback zu verstehen. Ständiges Lernen und die Suche nach neuem Wissen sind essenziell, ebenso wie der respektvolle und wertschätzende Umgang mit Kollegen.