Die Rubrik der aktiven Jugend ist der Raum, in dem wir jeden Monat die wertvollsten Stipendiatinnen und Stipendiaten unserer Stiftung vorstellen. Das sind diejenigen, die Tag für Tag danach streben, ihre Zeit und Energie in höhere Ziele zu investieren und so sich selbst und ihre Gesellschaft zu verbessern. So wie RAM (Arbeitsspeicher) ein Teil eines Computers ist, aus dessen Arbeit gar nicht mehr wegzudenken ist, so sind es auch unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten, die sich neben ihrem ehrenamtlichen Engagement innerhalb der Stiftung auch überaus fleißig in ihren Gemeinden engagieren und damit vertreten die Stiftung bestmöglich. RAM ist eine Rubrik, die denjenigen gewidmet ist, die jeden Tag aktiv daran arbeiten, ihre Gesellschaft und sich selbst zu verbessern, daher ist es uns eine Freude, jeden Monat über einen von ihnen zu sprechen, und dieses Mal ging diese Ehre an Amra Pušina.

Amra Pušina ist jetzt mehr als einem Jahr Stipendiatin der Hastor Stiftung, aber schon in so kurzer Zeit konnte sie ihre Stärken zeigen, die sich vor allem in ihrer Selbstlosigkeit und dem Wunsch, anderen zu helfen, widerspiegeln. Unsere Amra stammt aus Ilijaš, einer kleinen Stadt in der Nähe von Sarajevo, wo sie die Grundschule und das Gymnasium abgeschlossen hat. Während ihrer Grund- und Oberschulausbildung hatte sie hervorragende Erfolge und nahm an vielen Abschnitten und außerschulischen Aktivitäten teil. Die Liebe zu Büchern und Wissenschaft, der Wunsch zu helfen, Menschenleben zu retten, Empathie und Menschlichkeit zu fördern, sind nur einige der Gründe, warum Amra sich für ein Medizinstudium entschieden hat, und sie studiert derzeit im fünften Jahr an der Fakultät für Medizin an der Universität von Sarajevo. Jahrelange Arbeit, Anstrengung und Hingabe führten zu Ergebnissen, so dass sie viermal hintereinander den “Stolz des Dekans” Preis für die beste Studentin ihrer Generation erhielt. Amra weist darauf hin, dass die Preise und Anerkennungen, die sie gewonnen hat, ihr viel bedeuten, aber kein entscheidender Faktor für ihren Erfolg sind, denn sie ist eine wahre Liebhaberin der Medizin, jemand, der gerne lernt, sich Wissen aneignet und jedes Wissen erfüllt sie auf besondere Weise.

Den Schülern meiner Freiwilligengruppe wiederhole ich oft ein Zitat, das mich schon als Grundschüler fasziniert hat: „Jeder ist ein Genie. Aber wenn Sie einen Fisch nach seiner Fähigkeit beurteilen, auf einen Baum zu klettern, wird er sein ganzes Leben lang glauben, dass er dazu untüchtig ist” Ein Mensch ist am produktivsten, am kreativsten und am glücklichsten, wenn er vollständig in das „eingetaucht“ ist, was er tut. Es ist sehr wichtig, dass wir lieben, was wir tun, und unser Bestes geben.

 

Amra engagiert sich oft ehrenamtlich in der örtlichen Gemeinde im Verein „Budi mi drug“ (Sei mein Freund), der in ihrer Gemeinde tätig ist und Menschen unterschiedlichen Alters mit Schwierigkeiten in der geistigen und körperlichen Entwicklung zusammenbringt. „Budi mi drug“ ist eine Geschichte über den Mut, den Kampf und die unermessliche Liebe einer Mutter, die den Verein 2006 gründete, um ihrem Sohn mit Down-Syndrom zu helfen, sowie anderen Eltern und Kindern, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Im Bewusstsein, dass es in der Gesellschaft, in der wir leben, zahlreiche Vorurteile und Stereotypen gibt und dass Menschen mit Entwicklungsstörungen oft abgestempelt und ausgegrenzt werden, wollte Amra irgendwie helfen und dazu beitragen, das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie wichtig es ist, Menschen mit Behinderungen Aufmerksamkeit zu schenken und ihre Einbeziehung in das gesellschaftliche Leben. Der Verein „Budi mi drug“ war eine ausgezeichnete Gelegenheit, aber Amra sagt, dass ihre Freunde vom Verein ihr tatsächlich mehr geholfen haben. Nach ein paar Stunden bei ihnen fühlt sie sich ausgeruht und ist immer voller positiver Energie, jedes Mal erinnern sie sie immer wieder daran, wie alles Schöne im Leben ins Herz passt und unsere kleine Tat manchmal nur ein Lächeln und ein warmes Wort bedeutet die ganze Welt für jemanden.

Stipendiat der Hastor Stiftung zu sein, ist für mich eine große Ehre und Freude. Neben finanzieller Unterstützung schafft die Hastor Stiftung ein Netzwerk aus jungen, erfolgreichen, fleißigen, talentierten und altruistischen Menschen, die füreinander da sind, Wissen, Arbeit, Durchhaltevermögen fördern, und nur so können wir Zukunft bauen und Veränderungen anstoßen in der Gesellschaft, in der wir leben. Ich habe neue Freunde gefunden, viele Bekanntschaften gemacht, und ich denke, das ist das Wertvollste an der Hastor Stiftung – dass man in fast jeder Stadt mindestens einen Menschen kennt.  Seit eineinhalb Jahren bin ich Mentorin für jüngere Stipendiatinnen und Stipendiaten, die studieren. Die Rolle eines Mentors ist spannend, aber gleichzeitig sehr verantwortungsvoll. Ich versuche, jeden Schüler zu erreichen, ihn zu unterstützen, zu motivieren und zu inspirieren, bessere Menschen zu werden. Es macht mich sehr glücklich, wenn sie am Ende des Workshops und unserer Treffen die Aufgaben erfolgreich abschließen und mich oft mit ihren Talenten und Fähigkeiten überraschen. Das sind wirklich fleißige junge Leute, auf die ich sehr stolz bin.

Amra ist nur eine von mehreren Stipendiatinnen der Hastor Stiftung, deren Lebensaufgabe es ist, anderen zu helfen. Wir hoffen, dass ihr Beispiel anderen jungen Menschen als Inspiration dient, anzufangen und mit ihrem Aktivismus das Leben anderer Menschen zu verbessern, denn das Gute kommt immer zurück.

Vorbereitet von: Amina Abaspahić

Übersetzt von: Lamija Horić