Während Fast Fashion das Tempo saisonaler Einkäufe vorgibt, ist es notwendig, den Fokus auf nachhaltige Alternativen zu richten. Genau aus einem solchen Denken heraus entstand die App NOSIVA – eine digitale Plattform, die Kleidung eine neue Chance gibt und nachhaltiger Mode konkreten Raum für Wachstum bietet. In diesem Monat haben wir mit Nadira Sofović, Stipendistin der Hastor Stiftung und einer der Initiatorinnen dieser inspirierenden Geschichte, gesprochen.

  1. Wie entstand die Idee für die App NOSIVA – als momentane Inspiration oder als Prozess, der sich im Laufe der Zeit entwickelte? Können Sie auch darauf eingehen, wie Ihr beruflicher Weg die Vision für die Umsetzung dieses Projekts geprägt hat?

Die Idee für die App NOSIVA entstand aus einer sehr einfachen, alltäglichen Situation: Meine Partnerin Džejla Omerhodžić und ich bemerkten, wie viel qualitativ hochwertige Kleidung ungenutzt bleibt, während die Menschen parallel ständig Neues kaufen. Durch unsere Gespräche entstand die Idee, eine lokale Plattform zu schaffen, auf der Kleidung eine neue Besitzerin oder einen neuen Besitzer finden kann, anstatt im Kleiderschrank vergessen zu werden. Es war kein einzelner „Eureka“-Moment, sondern ein Prozess – von der Idee über das Testen bis hin zum Aufbau der ersten Version der Plattform. Ich komme aus einem technisch-digitalen Umfeld, Džejla aus dem geschäftlich-organisatorischen Bereich, und genau diese Kombination aus Wissen und Herangehensweisen ermöglichte es, dass das Projekt wirklich zum Leben erweckt wurde. Von Anfang an haben wir dies gemeinsam als Partnerprojekt aufgebaut.

  1. NOSIVA wird als ein Ort beschrieben, an dem Kleidung „ihren Weg fortsetzt“. Können Sie erklären, wie diese Philosophie das Design und die Funktionen der App beeinflusst?

Dieser Satz ist eigentlich die Grundlage des gesamten NOSIVA-Konzepts. Von Anfang an wollten wir nicht nur eine weitere Anzeigenplattform schaffen, sondern einen Ort mit einer klaren Botschaft – dass Kleidung ihren Lebenszyklus nicht nach einer Besitzerin oder einem Besitzer beenden muss. Viele Stücke sind weiterhin qualitativ hochwertig, gut erhalten und tragbar, sie brauchen nur eine neue Person. Diese Philosophie beeinflusste direkt die Art und Weise, wie wir die Plattform gestaltet haben: Der Fokus liegt auf der Einfachheit der Veröffentlichung, klaren Fotos, dem realen Zustand des Artikels und der direkten Kommunikation zwischen den Nutzerinnen und Nutzern. Auch die Markenkommunikation ist so ausgerichtet, dass sie nicht von „alter Kleidung“ spricht, sondern von der Fortsetzung der Geschichte eines Kleidungsstücks. Dadurch verändern wir auch die Art und Weise, wie Menschen den Austausch wahrnehmen – nicht als Kompromiss, sondern als kluge und verantwortungsvolle Entscheidung.

  1. Wie sehen Sie derzeit den Markt für nachhaltige Mode in Bosnien und Herzegowina und in der Region?

Der Markt für nachhaltige Mode in Bosnien und Herzegowina und in der Region befindet sich in einer Phase des Erwachens. Es gibt Interesse und Bewusstsein, aber Infrastruktur und spezialisierte digitale Plattformen entwickeln sich erst noch. Wir bemerken, dass junge Menschen immer mehr über klügeres Einkaufen, Preis, Qualität und Auswirkungen auf die Umwelt nachdenken, aber sie brauchen eine einfache Plattform, um dies tatsächlich umzusetzen. Second-Hand-Käufe sind nicht mehr das Stigma wie früher, besonders in urbanen Umgebungen werden sie zu einem Trend und einem bewussten Stil. Dennoch findet ein großer Teil des Austauschs weiterhin unorganisiert statt – über Nachrichten, Gruppen und informelle Kanäle. NOSIVA tritt hier als strukturierte, lokale Lösung auf. Wir glauben, dass die Region ein großes Potenzial für das Wachstum zirkulärer Mode hat, aber es ist notwendig, Technologie, Bildung und eine gute Nutzererfahrung zu kombinieren – nicht nur eine Idee, sondern eine praktische Umsetzung.

  1. Was ist das größte Hindernis bei der Popularisierung nachhaltigen Konsums unter jungen Menschen?

Das größte Hindernis ist eine Kombination aus Gewohnheit und Wahrnehmung. Fast Fashion hat über Jahre hinweg eine Kultur des schnellen und impulsiven Einkaufens aufgebaut – ständig neu, ständig günstig, ständig verfügbar. In einem solchen Umfeld wird nachhaltiger Konsum manchmal fälschlicherweise als komplizierter oder weniger attraktiv wahrgenommen. Deshalb bin ich der Meinung, dass der Ansatz anders sein muss – nicht durch Druck und Moralisieren, sondern durch Wert. Wenn man jungen Menschen zeigt, dass sie durch Austausch zu qualitativ hochwertigen und einzigartigen Stücken kommen, Geld sparen und gleichzeitig eine verantwortungsvollere Entscheidung treffen können, erfolgt die Akzeptanz viel leichter. Wir versuchen durch die NOSIVA-Kommunikation genau das – dass nachhaltige Mode nicht wie Verzicht aussieht, sondern wie ein kluger, moderner und praktischer Lebensstil.

  1. Was sind die größten Pläne für NOSIVA in diesem Jahr?

In der kommenden Zeit liegt unser Fokus auf der technischen und funktionalen Weiterentwicklung der Plattform. Wir planen die Einführung sichererer Zahlungsmodelle innerhalb des Systems, zusätzliche Vertrauensmechanismen zwischen den Nutzerinnen und Nutzern sowie Kooperationen mit Lieferdiensten, damit der Austausch- und Kaufprozess sicherer und einfacher wird. Außerdem arbeiten wir an der weiteren Entwicklung der mobilen Version der App und an der Erweiterung der Nutzerbasis durch Partnerschaften und Medienkooperationen. Unser Ziel ist es, dass NOSIVA von einer Plattform zu einem standardmäßigen Ort für den Kleidungsaustausch in der Region wird – nicht nur als Trend, sondern als Gewohnheit.