In dieser Ausgabe unserer Rubrik „Interview des Monats“ haben wir mit Vedad Huseinbašić, Arzt am Institut für Notfallmedizin des Kantons Sarajevo sowie langjährigem Stipendiaten und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Hastor Stiftung, gesprochen. Im Gespräch berichtete Vedad über seinen Bildungs- und Berufsweg, seine Erfahrungen im Rahmen internationaler Austauschprogramme sowie über die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements, das bis heute einen besonderen Stellenwert in seinem Leben einnimmt.
- Stellen Sie sich unseren Leserinnen und Lesern bitte kurz vor und erzählen Sie uns etwas über Ihren beruflichen Werdegang.
Mein Name ist Vedad Huseinbašić. Ich wurde in Fojnica geboren, wo ich auch die Grundschule abgeschlossen habe. Meine weiterführende Schulausbildung absolvierte ich am Türkisch-Bosnischen Una-Sana-Kolleg in Bihać. Im Jahr 2023 schloss ich mein Medizinstudium an der Medizinischen Fakultät der Universität Sarajevo ab. Während meines Studiums nahm ich an mehreren Austauschprogrammen teil, darunter Erasmus+, einem IFMSA-Austausch in Istanbul sowie einem CEEPUS-Austausch in Graz. Seit Februar 2024 arbeite ich als Arzt am Institut für Notfallmedizin des Kantons Sarajevo. Neben meinem Engagement in der Hastor Stiftung möchte ich insbesondere meine ehrenamtliche Tätigkeit in der Medizinischen Vereinigung BIMA hervorheben. Mehrmals im Jahr organisieren wir kostenlose fachärztliche Untersuchungen und medizinische Leistungen in Rückkehrergemeinden in Bosnien und Herzegowina.
- Wie häufig begegnen Sie als Arzt und Mitarbeiter des Instituts für Notfallmedizin des Kantons Sarajevo während der Sommermonate gesundheitlichen Beschwerden, die durch hohe Temperaturen verursacht werden?
Während der Sommermonate begegnen wir solchen Beschwerden sehr häufig, insbesondere während Hitzewellen, wenn die Temperaturen mehrere Tage hintereinander auf einem hohen Niveau bleiben. Bei großer Hitze erweitern sich die Blutgefäße, damit der Körper Wärme abgeben kann. Geht jedoch zu viel Flüssigkeit verloren, nimmt das Blutvolumen ab, wodurch das Gehirn weniger Sauerstoff und Nährstoffe erhält. Dies kann zu Schwindel, Ohnmacht und sogar zu einem Hitzschlag führen.
In der Praxis begegnen wir am häufigsten Dehydrierung, Hitzeerschöpfung, Elektrolytstörungen, einer Verschlechterung chronischer Erkrankungen und – in den schwersten Fällen – einem Hitzschlag. Patientinnen und Patienten mit ausgeprägten Symptomen sollten sich umgehend an die nächstgelegene medizinische Einrichtung wenden, damit die Behandlung so schnell wie möglich eingeleitet werden kann. Was viele Menschen nicht wissen, ist, dass eine Körpertemperatur von über 40 °C zu Zellschäden sowie zu Funktionsstörungen des Gehirns und anderer lebenswichtiger Organe führen kann. Gerade deshalb handelt es sich beim Hitzschlag um einen akuten, lebensbedrohlichen Notfall, der eine sofortige Kühlung und unverzügliche medizinische Versorgung erfordert.
- Welche Fehler machen Menschen bei großer Hitze am häufigsten, die ihre Gesundheit ernsthaft gefährden können?
Der häufigste Fehler besteht darin, dass viele Menschen die Auswirkungen hoher Temperaturen unterschätzen und erste Symptome lediglich als gewöhnliche Müdigkeit abtun. In der Praxis sehen wir häufig, dass sie zu wenig trinken, ohne Frühstück aus dem Haus gehen, sich zwischen 10 und 17 Uhr in der direkten Sonne aufhalten, körperlich anstrengende Tätigkeiten während der größten Hitze ausüben oder Kinder und ältere Menschen in geparkten Autos zurücklassen. Ein weiteres Problem ist, dass Durst kein verlässlicher Indikator für Dehydrierung ist – wenn wir Durst verspüren, hat der Körper bereits eine erhebliche Menge an Flüssigkeit verloren. Aus medizinischer Sicht ist es wichtig, zwischen Hitzeerschöpfung und Hitzschlag zu unterscheiden. Eine Hitzeerschöpfung äußert sich durch starkes Schwitzen, Schwäche, Schwindel und Übelkeit. Ein Hitzschlag hingegen ist ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem die Körpertemperatur häufig über 40 °C ansteigt und Bewusstseinsstörungen sowie ein Versagen der körpereigenen Temperaturregulation auftreten. In einer solchen Situation zählt jede Minute, da eine anhaltende Hyperthermie zu schweren Schäden an Gehirn, Herz, Nieren und anderen Organen führen kann.
- Was sind die ersten Anzeichen einer Hitzeerschöpfung oder eines Sonnenstichs, und wie sollte man in einer solchen Situation richtig reagieren?
Die ersten Anzeichen dafür, dass der Körper seine normale Temperatur nicht mehr aufrechterhalten kann, sind starke Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Muskelkrämpfe, vermehrtes Schwitzen und ein allgemeines Schwächegefühl. Wird in diesem Stadium nicht rechtzeitig reagiert, kann sich der Zustand zu einem Hitzschlag entwickeln. Dieser äußert sich unter anderem durch Bewusstseinsstörungen, Desorientierung, Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle und stellt einen medizinischen Notfall dar, der sofortige ärztliche Hilfe erfordert. Die betroffene Person sollte umgehend in den Schatten oder in einen klimatisierten Raum gebracht werden. Körperliche Aktivität ist sofort zu beenden, überschüssige Kleidung sollte entfernt und mit der aktiven Kühlung begonnen werden – beispielsweise durch kalte Umschläge oder das Übergießen mit lauwarmem bis kaltem Wasser, gegebenenfalls unterstützt durch einen Ventilator. Ist die Person bei Bewusstsein, sollte sie kleine Mengen Wasser oder elektrolythaltiger Getränke zu sich nehmen. Bei Bewusstseinsstörungen darf jedoch nichts oral verabreicht werden, da Aspirationsgefahr besteht. Stattdessen muss unverzüglich der Rettungsdienst verständigt werden. Interessanterweise hat die Geschwindigkeit, mit der die Körpertemperatur gesenkt wird, einen direkten Einfluss auf den Behandlungserfolg. In der Notfallmedizin gilt der Grundsatz „cool first, transport second“ – bei Verdacht auf einen Hitzschlag hat die sofortige Kühlung oberste Priorität, da jede Verzögerung das Risiko dauerhafter Organschäden und sogar eines tödlichen Verlaufs erhöht. Gerade deshalb kann das frühzeitige Erkennen der Symptome lebensrettend sein.
- Welche Empfehlungen würden Sie den Bürgerinnen und Bürgern geben, um sich während des Sommers vor hohen Temperaturen zu schützen und ihre Gesundheit zu erhalten?
Die wichtigste Empfehlung lautet, nicht zu warten, bis der Körper deutliche Anzeichen von Erschöpfung zeigt. Ausreichendes und regelmäßiges Trinken, das Meiden direkter Sonneneinstrahlung zwischen 10 und 17 Uhr, das Tragen leichter, heller Kleidung sowie der Aufenthalt in möglichst kühlen Räumen sind die wirksamsten Schutzmaßnahmen. Besondere Aufmerksamkeit gilt älteren Menschen, Kindern und Personen mit chronischen Erkrankungen, da hohe Temperaturen bei ihnen wesentlich schneller zu gesundheitlichen Problemen führen können. Bei starkem Schwitzen – insbesondere nach längerem Aufenthalt in der Hitze oder nach körperlicher Anstrengung – reicht es nicht aus, lediglich Wasser zu trinken. Der Körper verliert dabei auch wichtige Elektrolyte, vor allem Natrium und Kalium. Deshalb können in solchen Situationen orale Rehydratationslösungen oder elektrolythaltige Getränke sinnvoll sein. Außerdem empfehle ich die tägliche Anwendung von Sonnenschutzmitteln mit Lichtschutzfaktor SPF 30 oder SPF 50, da diese das Risiko von Sonnenbrand, vorzeitiger Hautalterung und langfristig auch von Hautkrebs deutlich reduzieren. Menschen, die regelmäßig Medikamente wie Diuretika einnehmen oder an chronischen Erkrankungen leiden, sollten während Hitzeperioden Rücksprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt halten, da bestimmte Therapien das Risiko einer Dehydrierung erhöhen können. Ein einfacher, aber hilfreicher Hinweis auf den Flüssigkeitshaushalt ist die Farbe des Urins: Hellgelber Urin spricht in der Regel für eine gute Hydrierung, während dunkler Urin häufig auf Flüssigkeitsmangel hinweist. Abschließend möchte ich betonen, dass Prävention die beste Medizin ist. Schon wenige einfache Gewohnheiten können das Risiko schwerwiegender Komplikationen erheblich verringern und dazu beitragen, den Sommer gesund und sicher zu verbringen.
- Möchten Sie unseren Stipendiatinnen und Stipendiaten, Alumni sowie allen Leserinnen und Lesern des Newsletters der Hastor Stiftung zum Abschluss noch eine Botschaft mit auf den Weg geben?
Wissen entfaltet seinen größten Wert, wenn wir es mit anderen teilen. Möge uns dieser Sommer daran erinnern, dass die Sorge um die eigene Gesundheit nicht nur persönliche Verantwortung bedeutet, sondern auch ein Ausdruck von Solidarität gegenüber den Menschen um uns herum ist. Ich bin stolz darauf, Teil der Gemeinschaft der Hastor Stiftung zu sein, die uns gelehrt hat, dass Erfolg nicht nur darin besteht, was wir für uns selbst erreichen, sondern auch darin, was wir für andere bewirken.